Baugrund in München wird knapp. Überschritten werden wird in rund 10 Jahren in München nämlich die Marke von 1,4 Millionen Menschen. Da die Stadt jedoch nur noch über zu entwickelnde Flächen für 60.000 Wohnungen verfügt, soll jetzt ein Zukunftskongress das Problem lösen.
Elisabeth Merk, Münchens Stadtbaurätin, erklärte vor kurzem vor dem Planungsausschuss der Münchener Region, dass dahingehende Abhilfe eine spannende und schwierige Frage sei. Für 2011 soll ein Zukunftskongress einberufen werden, auf dem große Hoffnungen ruhen. Preise und Mieten werden auf dem Wohnungsmarkt vom Nachfrageüberhang getrieben. Die Attraktivität Münchens, die immer mehr Wohnraum braucht, fordert jetzt ihren Tribut. Dass die Agglomeration im Umland zu wenig zur Wohnungsnotlinderung beitrügen, kritisierten immer wieder Münchner Ratsherren in der 1980er Jahren. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet, da die Umland-Gemeinden im Jahr 2008 mit 7.700 Einheiten glänzte, während die Münchner nur 5.800 Einheiten liefern konnten.
Pro Jahr lag in den 1960er Jahren der Zuwachs in Bayerns Landeshauptstadt noch bei 15.000 Einheiten. Nicht einmal 50% dessen ist es momentan. Dennoch bleibt Stadt-Entwicklungschef Stefan Reiß-Schmidt optimistisch und erklärt, dass man das Ziel von jährlich 7.000 Wohnungen weiter nicht zu korrigieren brauche. Deutlich verpasst werden dürfte jedoch auf absehbare Zeit diese Marke.
Die Zuwanderungsregion München wird laut Aussage von Experten nicht an Attraktivität verlieren, was bleibt ist jedoch die atemberaubende Enge hinsichtlich des Wohnungsmarktes. Ohne Unterlass ziehen schließlich vor allem Zuwanderer mit herausragenden Fähigkeiten und hervorragender Qualifikationen nach München. Dadurch werden die Preise nach oben katapultiert. Mithalten können da nur noch Menschen, die über gut dotierte Jobs verfügen. Da außerdem die Zahl der Single-Haushalte stetig wächst, steigt der Bedarf an Wohnraum pro Einwohner. 2008 waren es bereits 405.919 Ein-Personen-Haushalte, im Jahr 1970 mit 246.511 etwas mehr als die Hälfte.
Die Stadtplaner Münchens erklären, dass öffentlich geförderte Wohnungen für ärmere Menschen vonnöten seien. Dafür sei vor allem ein großes Flächenangebot bezüglich des Wohnungsbaus erforderlich. Seit einigen Jahren ist der neue Wohnungsbau-Geländegewinn auf Bahn- und Kasernenflächen jedoch aufgebraucht. Etwas länger zur Verfügung stehen wird da lediglich noch Freiham. Alles andere ist bereits aufgezehrt. Lediglich noch Grund für 60.000 Wohnungen bezieht Rudolf Saller vom Grundstücksmanagement in seine Kalkulation mit ein. Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Stadt München, präzisiert, dass es momentan noch 2.000 ha Wohnungsbaugrund gebe, 2020 nur noch 920 ha. Im Jahr 2025 seien es lediglich noch 250 ha. Also wird es spätestens in 15 Jahren ziemlich eng. Planerisch in Richtung des Wohnungsbaus umgestaltet werden müssten dann Grundstücke, die eigentlich für andere Dinge reserviert waren. Nur wenig ergiebig ist eine Verdichtung von Bestands-Wohnquartieren. Teils bis zu den Grenzen der Stadt geht es auch an freien Flächen, womit man schon die Schmerzgrenze übertreten hat.
15% mehr Pendler aus der Ferne erwartet man in München in den nächsten Jahren. Außerdem kommt noch das Aufkommen aus dem Umland Münchens hinzu. Auf den weitläufigen Grund im Osten der Stadt, blickt deshalb jetzt schon Stadtentwickler Stefan Reiß-Schmidt. Einen Riegel bildet bisher die Bahnlinie zwischen Daglfing und Johanneskirchen mit seinen wenigen Übergängen. Dadurch wird bislang eine bessere Entwicklung dieses Umlandes unmöglich. Ein tiefer gelegter Schienenstrang inklusive drüber gelegtem Schalldeckel wäre die ideale Lösung.
In Auftrag gegeben hat München deshalb eine Untersuchung zusammen mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium. Man möchte wissen wie die Hürde der Eisenbahnbarriere zu Gunsten der Stadtentwicklung übersprungen werden kann. Da sich auch für die Flughafen-S-Bahn neue Optionen ergeben könnten, ist diese Anstrengung also doppelt verlockend. Einen Einwohnerzuwachs von jährlich rund 20.000 Bürgern stemmen, wie das in den 1960er Jahren der Fall gewesen ist, könnte München heutzutage längst nicht mehr. Schon mit einem Jahreszuwachs von 10.000 Personen wurde es im letzten Jahrzehnt bereits schwierig.
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