Die Chancengleichheit in Bezug auf den Wohnungsmarkt zu fördern, haben sich jetzt die Stadt Nürnberg und rund zwei Dutzend fränkische Unternehmen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft auf die Fahnen geschrieben. Dafür trafen sich Dr. Ulrich Maly, Nürnberger Oberbürgermeister sowie 22 Repräsentanten von Nürnberger Immobilien- und Wohnungsunternehmen. Sie verpflichteten sich mit ihrer Signatur unter einen Kontrakt dazu, die dort fixierten Leitlinien einzuhalten und zu beachten. Dass Wohnungssuchende nicht aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihres Aussehens benachteiligt und diskriminiert werden, sollen diese Leitlinien sicherstellen.
„Umgesetzt und ratifiziert werden müssen internationale Erklärungen, Empfehlungen und Konventionen von den einzelnen Nationen“, so Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. Dass auch die lokale Sichtweise beachtet werde, da vor Ort die Menschen tagtäglich aufeinandertreffen und man die Diskriminierungsopfer mit einbinde, sei gleichzeitig aber auch von sehr enormer Wichtigkeit. „Dass die konkreten Schwierigkeiten auf lokaler Ebene berücksichtigt werden, kann nur so sichergestellt werden“, ergänzt Maly. Städte seien gerade deshalb Schlüssel für die Entwicklung effektiver Synergie. Vor allem, da in Zeiten immer größer werdender Urbanisierung und Globalisierung bei der Durchsetzung der Menschenrechte den Städten und Kreisen eine immer größere Rolle zukomme.
Die Stadt Nürnberg hat im Laufe ihrer fast 1.000-jährigen Historie Zeiten des Unheils als auch des Wohlstands und der Blüte durchlebt. Eine historische Beantwortung für die Menschenrechte erwuchs aus dieser besonderen Rolle. Ein aktiver Beitrag zum Frieden und zur Verwirklichung der Menschenrechte möchte die Stadt daher leisten und fühlt sich dessen in besonderem Maße verpflichtet. Die Mitgliedschaft in der europäischen Städtekoalition gegen Rassismus ist ein Beitrag hierzu. Diese Initiative der UNESCO wurde im Jahr 2004 gestartet und gehört der internationalen Städtekoalition gegen Rassismus an. Sie unterhält Ableger in Kanada, in der Karibik, in Lateinamerika, Afrika, im Pazifikraum in Asien und Europa. Diese Koalition möchte ein internationales Netzwerk von Städten knüpfen, die zusammen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rassismus kämpfen.
Als Geschäftsstelle der europäischen Städtekoalition tritt das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg auf. Für interessierte Kommunen und die Mitgliedstaaten dient die Geschäftsstelle dort als Ansprechpartner. Sie bereitet die Sitzungen des Lenkungsausschusses vor, organisiert Tagungen, setzt die Beschlüsse des Ausschusses um, führt die laufenden Geschäfte des Ausschusses und der Koalition und fördert den Informationsaustausch sowie die Kommunikation zwischen den Mitgliedstaaten.
„Ein 10-Punkte-Aktionsplan mit konkreten Handlungsbeispielen wurde am 7.12.2004 verabschiedet, als in Nürnberg die europäische Städtekoalition gegen Rassismus gegründet wurde“, so Martina Mittenhuber, Leiterin des Nürnberger Menschenrechtsbüros. Dass die Einzelpunkte des Aktionsplans mit Leben gefüllt werden sollen, gilt neben Nürnberg natürlich auch für alle anderen am Projekt beteiligten Städte.
Der Chancengleichheit auf dem Wohnungsmarkt ist Inhalt von Punkt 7 des Aktionsplans. Dass konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung bei Verkauf und Vermittlung von Wohnungen in Nürnberg entwickelt werden sollen, ist ein Bestandteil dieses Punktes. Unterstützung von Personen, denen Diskriminierung widerfahren ist, beim Suchen nach Wohnraum; Gewährung von Anreizen für Immobilienmakler und Hauseigentümer, die eine Verpflichtung hinsichtlich der Einhaltung gegen Diskriminierung und des städtischen Verhaltenskodex eingehen sowie Entwicklung von Verhaltenskodizes beziehungsweise Leitlinien für private und städtische Unternehmen, die auf dem Immobilienmarkt agieren, damit Diskriminierung bei Verkauf und Vermietung von Wohnraum bekämpft werden kann, sind nur einige Beispiele für dahingehende Aktivitäten.
Nach dem das Nürnberger Amt für Stadtentwicklung und Wohnen Verhaltenskodizes und Leitlinien erarbeitet und mit der Stadt-Arbeitsgruppe Integration erarbeitet hat, wurde sie der Integrations-Kommission präsentiert und mit der hiesigen Immobilien- und Wohnungswirtschaft eine rege dahingehende Diskussion geführt. Von außerordentlicher Wichtigkeit war dieser Prozess für Hans-Joachim Schlößl, seines Zeichens Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Wohnen. „Das Verhaltenskodizes und Leitlinien nur dann Sinn machen, wenn diese auch von den auf dem Markt aktiven Firmen mitgetragen und akzeptiert werden beziehungsweise zukünftiges Handeln zusammen mit der Stadtverwaltung abgestimmt wird, war von Beginn an klar“, erklärt Schlößl. „Dass fast zwei Dutzend Firmen aus den verschiedensten Bereichen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft die Leitlinien unterzeichnet haben, freut mich außerordentlich!“.
Nun gelte es, eine Struktur der gegenseitigen Unterstützung zu schaffen, um die genannten Anreize und Hilfe sowie viele Leitlinien gesetzten Ziele in einem ständigen Austausch von Erfahrungen zu pflegen. Außerdem müssten auftretende Probleme gelöst werden.
Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly machte auch noch einmal klar, dass man den richtigen Wege bestreite. „Das haben wir sehr früh gemerkt. Und zwar vor allem weil aus der europäischen und internationalen Städtekoalition großes Interesse an unseren Leitlinien besteht und nicht nur weil die Resonanz vor Ort ausgezeichnet ist.“
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