Im Hochtaunuskreis schlägt der Mieterbund Alarm, da für Normalverdiener eine Wohnung dort kaum noch zu finanzieren sei. Der Mieterschutzbund fordert deshalb, dass mehr Priorität auf den sozialen Wohnungsbau gelegt werden müsse.
Online-Anzeigen, die vor Superlativen nur so strotzen, werden von Immobilienmaklern immer häufiger inseriert. „Luxus pur“, „Wohnen im Park“ sind nur zwei von unzähligen Attributen, wie sie beispielsweise in Königstein offeriert werden. Dies hat natürlich auch seinen Preis, so werden 2.500 € vom Makler für eine Wohnung mit 143 m2 Wohnfläche als Kaltmiete verlangt, wobei es sich hier um eine Dreizimmerwohnung handelt. Luxus will eben bezahlt sein.
Jürgen Ronimi, Vorsitzender des Mieterschutzbundes im Hochtaunuskreis, ist sauer und beklagt: „Normalverdiener können sich das Wohnen im Hochtaunuskreis mittlerweile kaum noch leisten. In der Region werden horrende Mieten immer mehr zur Tagesordnung.“
Junge Menschen, die so genannten Geringverdiener und allein erziehende Väter und Mütter haben im Hochtaunuskreis auf dem Wohnungsmarkt mittlerweile kaum noch Chancen. Ronimi erläutert, dass derjenige, der für eine 80 m² Wohnung, 1.000 € an Miete berappt, so fast 50 % seines Einkommens für den Mietzins ausgeben müsse. Ronimi: „Es ist ein Skandal, der bei uns leider kaum kommuniziert wird. Hier muss die Politik sich endlich einmischen und dem sozialen Wohnungsbau absolute Priorität einräumen.“
Große Hoffnungen, dass seine Forderungen in die Tat umgesetzt werden, hat ohne Ronimi indes nicht. „Offenbar spielt dieses Kapitel des Wohnungsbaus im Hochtaunuskreis keine Rolle“, so Ronimi. „Ich erwarte auch von SPD und Grünen dahingehend kaum ein Engagement. Vor allem junge Menschen sind von dieser Wohnungspolitik betroffen, so dass es gerade im Vordertaunus kaum noch möglich ist, dass sie einen eigenen Hausstand etablieren.“
Dass viele dieser jungen Leute solange wie es geht bei den Eltern wohnen bleiben, ist eben den hohen Mieten geschuldet. Dies läuft auch Familiengründungen entgegen, da junge Menschen mit diesen finanziellen Voraussetzungen natürlich an eine eigene Existenz mit Frau und Kindern kaum denken können.
Wirklich günstiger wird das Wohnen auch nicht, wenn man in das Usinger Land ausweicht. Ronimi erklärt, dass die meisten Mietpreise dort um die zehn Euro pro m² lägen. „Dies ist zwar noch deutlich weniger als im Vordertaunus, hier erreichen die Kurse gemeinhin die 13 € Marke, aber es ist immer noch kostspielig genug.“
Um einen Einblick darüber zu gewinnen, welch horrende Mietpreise in der Region abgerufen werden, braucht man lediglich in einschlägige Onlineportale hineinzuschauen. Hier finden sich nur wenige Wohnungen, für die ein Kaltmietpreis von unter 1.000 € bezahlt werden muss, diese besitzen dann meistens auch nicht mehr als zwei oder drei Zimmer und sind lediglich 90 m² groß.
In Usingen, Wehrheim und Neu Anspach gibt es Wohnungen die etwas weniger kostenintensiv sind. So gibt es im Usinger Land knapp zehn Wohnungen, die auf dem Online-Markt im Preissegment zwischen 700 und 800 € offeriert werden. Diese besitzen zwischen drei und vier Zimmern. Solch eine Wohnraumgröße ist auch für junge Familien nicht uninteressant.
Der Mieterschutzbund-Vorsitzende Ronimi konstatiert dennoch enttäuscht, dass unter solchen Umständen im Hochtaunuskreis die Wohnungssuche zum Lotteriespiel werde. „Man ist mehr denn je auf persönliche Beziehungen angewiesen, wenn man eine passende und preiswerte Wohnung in der Region finden möchte. Deshalb fordere ich alle Verantwortlichen in der Politik auf, den sozialen Mietwohnungsbau wieder ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen!“
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