Ulm ist die einzige Kommune in Baden-Württemberg, die keinen qualifizierten Mietspiegel aufstellt. Das Geld möchte man lieber im Haushalt belassen, da solch ein Mietspiegel, der nach wissenschaftlichen Grundsätzen erarbeitet wird, sehr kostspielig sein kann. Dennoch gibt es in Ulm einen so genannten einfachen Mietspiegel, der alle vier Jahre präsentiert wird. Dabei werden Interessenvertreter der Vermieter wie beispielsweise UWS oder Hauseigentümerverein von Arbeitsgruppen ebenso interviewt wie Interessenvertreter der Mieter (Mieterverein). Die Arbeitsgruppe, die von der Verwaltung unterstützt wird, fragt dabei die Mieten ab.
Ulms Bürgermeister Alexander Wetzig konstatierte unlängst in einer Sitzung des Fachbereichsausschusses Umwelt, Bau und Stadtentwicklung, dass das Ergebnis kein Regelungs-, aber ein Informationsrahmen sei. Das Gremium besaß aber auch keine andere Option als den 2012er Mietspiegel zur Kenntnis zu nehmen, der den Vorgänger von 2008 ablösen wird. So kann lediglich bei justitiablen Streitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter der einfache Mietspiegel zu Rate gezogen werden, da Gerichte diesen ebenso akzeptieren wie den so genannten qualifizierten Mietspiegel.
Wenn man sich den neuen Mietspiegel anschaut, kann festgestellt werden, dass die ortsübliche Vergleichsmiete im Mittel für Wohnungen, die vor 2004 errichtet worden sind, um 4,92 % nach oben geschnellt ist. Dies ist analog zum Verbraucherpreisindex Baden-Württembergs in Bezug auf den Vergleichszeitraum. Mit 5,5 % ist bei Neubauten (ab 2004) der Anstieg etwas größer ausgefallen.
Zum ersten Mal beinhaltet der Mietspiegel auch eine so genannte Klimakomponente. So müssen Neubauten (ab 2004) mindestens den Kfw Energieeffizienz-Standard 55 erfüllen, wobei es hier einen weiteren Zuschlag von 5 % auf die ortsübliche Vergleichsmiete gibt. Stadtplaner Volker Jescheck erklärt dazu, dass im Gegenzug die Nebenkosten niedriger seien. Zudem nimmt der neue Mietspiegel nur existierende Mietverhältnisse unter die Lupe, er macht hingegen keine Aussagen über Neuvermietungen, bei denen die Preise teils wesentlich höher sind.
So kann beispielsweise bei einer Wohnung, die zwischen 1984 und 1994 erbaut worden ist, der Mietzins je nach Ausstattung und Größe zwischen 6 € und 7,94 € pro Quadratmeter variieren. Im Mietspiegel vor vier Jahren pendelte die Miete dort zwischen 5,72 € und 7,57 €, wobei also einer Erhöhung zwischen 28 und 37 Cent pro Quadratmeter eingetreten ist. Bei einer Neubauwohnung, die ab 2004 errichtet worden ist, kann der Mietzins mittlerweile zwischen 6,39 € und 8,40 € differieren. Hier kann also eine Erhöhung zwischen 0,35 und 0,46 € festgestellt werden.
Zufriedenheit machte sich dennoch bei den Stadträten in Ulm breit, so erklärte Martin Rivoir von der SPD, dass Ulm in Relation zu anderen Kommunen sehr gut dastehe, was auch am großen UWS Wohnungsbestand liege. Sein Pendant von der CDU, Siegfried Keppler, erwiderte, man könne froh sein, moderate Grundstückspreise zu haben, da diese auch die Mieten bestimmten. Annette Weinreich von den Grünen merkte hingegen kritisch an, dass der Mietspiegel einen sehr geringen Einfluss dargestellt habe.
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